Mit der öffentlichen Anhörung des Deutschen Ethikrates am 22. Januar 2026 zu den „Ethischen Herausforderungen in der häuslichen und stationären Langzeitpflege“ wurde ein wichtiges Signal in Richtung Pflegepolitik gesendet. Mit der Anhörung sammelt der Ethikrat Perspektiven für seine geplante Stellungnahme und bezieht ausdrücklich auch wirtschaftliche und organisatorisch-strukturelle Perspektiven mit ein. Für den DBfK war Präsidentin Vera Lux als Sachverständige mit dabei.

Aus Sicht des DBfK ist zentral: Ethische Konflikte in der Langzeitpflege sind häufig strukturell erzeugt – nicht das Ergebnis fehlenden Engagements Einzelner. Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung, geringe Autonomie, Bürokratie und unzureichende Digitalisierung führen täglich zu Situationen, in denen das fachlich und ethisch Richtige nicht zuverlässig umgesetzt werden kann.
Vera Lux machte deutlich: „Ethik in der Langzeitpflege entscheidet sich nicht am guten Willen Einzelner, sondern an verlässlichen Rahmenbedingungen. Wenn qualifizierte Pflegefachpersonen fehlen, wird aus Fürsorge ein permanenter Konflikt zwischen dem, was fachlich geboten wäre, und dem, was noch machbar ist.“
Der medizinische Fortschritt ermöglicht komplexe Therapien auch im hohen Alter – gleichzeitig geraten professionell Pflegende immer stärker unter Druck. Damit Pflegebedürftige Würde, Selbstbestimmung und Sicherheit verlässlich erleben, braucht es aus Sicht des DBfK konsequente Reformen: bedarfsgerechte Personalausstattung mit ausreichend qualifizierten (und wo nötig spezialisierten) Pflegefachpersonen, mehr Autonomie in pflegefachlichen Entscheidungen, wirksamen Schutz vor Gewalt, Bürokratieabbau und einen deutlich höheren Digitalisierungsgrad.
Gleichzeitig muss die Finanzierung der Langzeitpflege so gestaltet werden, dass Pflege erreichbar und bezahlbar bleibt. Die steigenden Eigenbeiträge bringen viele Betroffene in eine Lage, in der Rente und Ersparnisse nicht ausreichen – notwendige Heimaufnahmen werden so nicht selten aus finanziellen Gründen hinausgezögert. „Gerade in Zeiten knapper Ressourcen brauchen wir eine Priorisierung nach Bedarf und Evidenz – nicht Rationierung durch Mangel“, so Lux. „Pflege muss für alle erreichbar bleiben – unabhängig von Einkommen, Wohnort oder familiären Ressourcen.“
Der DBfK wird sich weiter aktiv in den Diskurs einbringen. Ziel bleibt eine Langzeitpflege, die Würde und Sicherheit zuverlässig gewährleistet – und Pflegenden Bedingungen bietet, unter denen professionelles Handeln dauerhaft möglich ist.