
Pflege ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition. Wer in professionelle Pflege investiert, stärkt die Versorgungsqualität, verbessert die Patient:innensicherheit und macht das Gesundheitssystem zukunftsfest. Diese Botschaft zog sich durch eine internationale Session auf dem Hauptstadtkongress Ende Juni in Berlin, die sich mit der ökonomischen Bedeutung der beruflichen Pflege beschäftigte.
Wie lässt sich der Wert professioneller Pflege sichtbar machen? Welche wirtschaftlichen Potenziale bleiben bislang ungenutzt? Und was können Gesundheitssysteme voneinander lernen? Darüber diskutierten José Luis Cobos Serrano, Präsident des International Council of Nurses (ICN), Elisabeth Potzmann vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV), Maria Rosa Joller vom Schweizer Berufsverband alliance care sowie DBfK-Präsidentin Vera Lux, die die Situation in Deutschland einordnete.
Die Session war Teil des Pflegemanagementkongresses, dessen wissenschaftliche Leitung Vera Lux innehat. Moderiert wurde sie von Franz Wagner, langjähriger Bundesgeschäftsführer des DBfK.
José Luis Cobos Serrano unterstrich die Bedeutung der neuen Definitionen von Nurse und Nursing, die der ICN verabschiedet hat. Sie seien eine wichtige Grundlage für die berufspolitische Arbeit weltweit. Die Übersetzung ins Deutsche sei deshalb von großer Bedeutung, betonte er, und dankte den Vertreter:innen der DACH-Pflegeverbände ausdrücklich für ihre Zusammenarbeit. Sein inhaltlicher Appell war eindeutig: „We need action.“
Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen über Einsparungen im Gesundheitswesen machte Vera Lux deutlich, dass die berufspolitischen Fortschritte der vergangenen Jahre nicht wieder infrage gestellt werden dürfen. Pflege müsse als Investition verstanden werden, nicht als Kostenfaktor. „Wir brauchen ein resilientes Gesundheitssystem“, betonte sie. Dafür müsse sich der Wert professioneller Pflege endlich auch in politischen Entscheidungen und den Finanzierungsstrukturen widerspiegeln.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Profession ihre Interessen selbstbewusst vertreten muss. Cobos Serrano warb für mehr Führungsverantwortung und politisches Engagement beruflich Pflegender. Pflegefachpersonen müssten stärker in Parlamenten, Gremien und politischen Entscheidungsprozessen vertreten sein. „Wir müssen Teil der politischen Entscheidungen sein. Und wir können das, denn wir sind viele“, lautete seine Botschaft.

Die Diskussion zeigte: Die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung hängt entscheidend davon ab, welchen Stellenwert professionelle Pflege in Politik und Gesellschaft erhält. Investitionen in Pflege sind Investitionen in die Qualität und Sicherheit der Versorgung und damit in die Zukunft des gesamten Gesundheitssystems.

Dass die berufspolitischen Fortschritte der vergangenen Jahre jetzt nicht
wieder infrage gestellt werden dürfen, machte auch DBfK-Referent Ingo Böing in
der Session „Pro und Contra Pflegepersonalregelungen“ deutlich. In seinem
Pro-Statement für die PPR 2.0 warnte er davor, dass die aktuell diskutierte drohende
Abschaffung der verpflichtenden Anwendung zu einem massiven Stellenabbau in der
Pflege im Krankenhaus führen könnte.
Die Folge wären weitere Belastungen für Pflegefachpersonen und ein erhöhtes Risiko, dass noch mehr von ihnen den Beruf verlassen. Zugleich betonte Böing, dass die PPR 2.0 ein Instrument ist, das weiterentwickelt und konsequent genutzt werden sollte – statt die erreichten Fortschritte wieder zurückzudrehen.
Darüber hinaus diskutierten Bundesvorstandsmitglied Lina Gürtler und Tahnee Leyh aus dem Vorstand des DBfK Nordost in einer weiteren Session gemeinsam mit Vera Lux über gute Arbeitsbedingungen und die Herausforderungen bei der Finanzierung der Pflege.