Das Pflegeberufegesetz und jüngere Reformen haben Vorbehaltsaufgaben rechtlich verankert und eröffnen der professionellen Pflege neue Handlungsspielräume – zugleich bestehen in vielen Kliniken Unsicherheiten bei der praktischen Umsetzung. Vor diesem Hintergrund hat der DBfK eine bundesweite Online Befragung durchgeführt, um den aktuellen Umsetzungsstand, Hemmnisse und Unterstützungsbedarfe aus Sicht von Pflegefachpersonen und Führungskräften zu erfassen.
Die Erhebung des individuellen Pflegebedarfs wird vergleichsweise gut umgesetzt, während die Organisation und Steuerung des Pflegeprozesses sowie insbesondere die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege mit einem geringeren Umsetzungsrad eingeschätzt werden. Insgesamt fehlt es an einer flächendeckenden, umfassenden Verankerung der Vorbehaltsaufgaben in den Einrichtungen.

Zentrale Hemmnisse
Als die wichtigsten Barrieren werden genannt: unzureichende Zeit‑ und Personalressourcen, mangelnde Priorisierung auf Team‑ und Stationsebene, fehlende oder punktuelle Qualifizierungsangebote sowie technische und organisatorische Defizite. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten und teilweise fehlende interprofessionelle Anerkennung, die die Umsetzung zusätzlich erschweren.

Strategische Verankerung
Viele Einrichtungen verfügen nicht über verbindlich verankerte Konzepte zur Unterstützung der Vorbehaltsaufgaben; häufig existieren nur punktuelle Ansätze. Dies schwächt die Nachhaltigkeit von Implementierungsbemühungen und erschwert systematische Veränderungen.
Erwartete Unterstützungsmaßnahmen
Gefordert werden für eine nachhaltige Umsetzung vor allem die Berücksichtigung notwendiger Zeitressourcen und personelle Entlastung, praxisnahe stationsbezogene Schulungen, ausgereifte digitale Unterstützungssysteme sowie interne Unterstützungsangebote (z. B. APN, Multiplikator:innen) und ein verstärkter Austausch zu Best‑Practice. Diese Maßnahmen werden als zentrale Hebel gesehen, um die Umsetzung im Klinikalltag zu stärken.
Rolle der Führungskräfte
Führungskräfte werden als entscheidende Treiber wahrgenommen: Sie sollen als Vorbild agieren, kontinuierliche Unterstützung und Begleitung bieten, Qualifizierungsmaßnahmen initiieren, Strukturen und Prozesse gestalten sowie Ressourcen einfordern und verteilen. Gute Führung verbindet fachliche Orientierung mit organisatorischem Handeln und klarer Kommunikation.
Bedeutung für die Professionalisierung
Die Befragten sehen die Vorbehaltsaufgaben als zentrales Element der Professionalisierung der Pflege. Die gesetzlichen Neuerungen eröffnen der Pflege neue Möglichkeiten, doch ohne strukturelle, digitale, organisatorische und kulturelle Veränderungen bleiben diese folgenlos. Die Befragung zeigt darüber hinaus: Pflege kann Verantwortung übernehmen, wenn man sie lässt, befähigt und unterstützt.
Fazit
Die fachliche Basis für die Vorbehaltsaufgaben ist vorhanden; damit diese Aufgaben ihr Potenzial entfalten, sind jedoch koordinierte Maßnahmen in den Einrichtungen, im Management und politische Anstrengungen für eine auskömmliche Refinanzierung nötig. Entscheidend sind verbindliche Konzepte, ausreichende Zeit‑ und Personalressourcen, passgenaue digitale Systeme, praxisnahe Qualifizierung und sichtbare Führungsarbeit. Nur so können gesetzliche Vorgaben in nachhaltige Praxis umgesetzt werden.
In der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift Die Schwester | Der Pfleger ist der ausführliche Artikel zur Umfrage und den Ergebnissen. Mitglieder haben über den Button "Mein DBfK" direkt Zugriff auf die Zeitschrift.