
Karina Luginger ist Gesundheits- und Krankenpflegerin, Pflegepädagogin (B. A.) und Advanced Nurse Practitioner (M. Sc.) – aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Politik im Bayerischen Landtag im Stimmkreis Straubing-Bogen und Kelheim. Sie bringt Erfahrungen aus der Akutpflege, der Palliativversorgung, der Pflegebildung und der Berufspolitik mit.
Im Interview spricht sie über ihren persönlichen Weg in die Pflege, ihre Ziele für den Berufsverband und darüber, warum sie trotz vieler Aufgaben nie den Blick für die Menschen hinter der Profession verloren hat.
Liebe Frau Luginger, herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Vorstandsvorsitzende! Ihr beruflicher Weg führt von der Onkologie über die Palliativversorgung bis in die Pflegebildung und Berufspolitik. Was hat Sie ursprünglich in die Pflege geführt – und was begeistert Sie bis heute an diesem Beruf?
Karina Luginger: Ehrlich gesagt war Pflege zunächst gar kein Kindheitstraum. Ich bin nicht mit einem Schwesternhäubchen herumgelaufen und wusste schon mit zehn Jahren, dass ich einmal Pflegefachperson werden möchte.
Erst während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, wie unglaublich vielseitig dieser Beruf ist. Pflege bedeutet für mich weit mehr als Versorgung. Es geht darum, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten, ihnen Sicherheit zu geben, Wissen zu vermitteln und gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig eröffnet unser Beruf viele Entwicklungsmöglichkeiten – in der direkten Versorgung, in der Bildung, im Management, in der Wissenschaft oder in der Berufspolitik.
Diese Vielfalt fasziniert mich bis heute. Ich habe das große Glück, viele dieser Bereiche selbst kennengelernt zu haben. Jede Station meines beruflichen Weges hat meinen Blick auf die Pflege erweitert und mich darin bestärkt, mich für unseren Berufsstand einzusetzen.
Sie waren bereits Mitglied im Vorstand des DBfK Südost. Was hat Sie motiviert, nun für den Vorsitz zu kandidieren?
Karina Luginger: Der DBfK begleitet mich schon fast mein gesamtes Berufsleben. Ich bin bereits während meiner Ausbildung Mitglied geworden. Nach einer familienbedingten Pause bin ich 2022 ganz bewusst zurückgekehrt, weil ich überzeugt bin, dass eine starke professionelle Pflege auch einen starken Berufsverband braucht.
Die Arbeit im Vorstand hat mir gezeigt, wie viel wir gemeinsam bewegen können. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass ich meine Erfahrungen noch stärker einbringen möchte. Deshalb habe ich mich für den Vorsitz entschieden.
Mir geht es nicht darum, allein an der Spitze zu stehen. Gute Verbandsarbeit entsteht im Team. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit einem engagierten Vorstand, unserer Geschäftsstelle und unseren Mitgliedern die erfolgreiche Arbeit des DBfK Südost weiterzuführen und neue Impulse zu setzen.
Sie kennen die professionelle Pflege aus vielen Perspektiven – aus der Akutversorgung, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, der Pflegebildung und auch aus der Politik. Wie prägt dieser vielseitige Blick Ihre Arbeit?
Karina Luginger: Ich glaube, gerade diese unterschiedlichen Erfahrungen helfen mir, Zusammenhänge besser zu verstehen. Jede Tätigkeit hat mir gezeigt, dass Pflege nie isoliert funktioniert. Gute Versorgung entsteht nur dann, wenn Berufsgruppen zusammenarbeiten und die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Besonders spannend war für mich auch der Einblick in politische Entscheidungsprozesse. Dort habe ich erlebt, wie Gesetze entstehen und wie wichtig es ist, dass Pflegefachpersonen ihre Expertise aktiv einbringen. Wenn wir das nicht tun, entscheiden andere über unseren Beruf.
Als Vorstandsvorsitzende möchte ich deshalb Brücken bauen – zwischen Praxis und Politik, zwischen Wissenschaft und Versorgung sowie zwischen den unterschiedlichen Bereichen der professionellen Pflege. Unser Berufsstand ist vielfältig, und genau diese Vielfalt ist unsere Stärke.
Welche Themen möchten Sie in den kommenden Jahren gemeinsam mit dem Vorstand und den Mitgliedern besonders voranbringen?
Karina Luginger: Mein wichtigstes Anliegen ist, dass Pflegefachpersonen endlich die Möglichkeiten erhalten, die ihrer Qualifikation entsprechen. Wir verfügen über enormes Fachwissen und übernehmen jeden Tag große Verantwortung. Dieses Potenzial wird im deutschen Gesundheitswesen noch längst nicht ausreichend genutzt.
Dafür brauchen wir moderne Berufsbilder, klare Kompetenzregelungen, attraktive Arbeitsbedingungen und eine starke berufliche Selbstvertretung. Gleichzeitig müssen wir junge Menschen für unseren Beruf begeistern und erfahrene Kolleginnen und Kollegen im Beruf halten.
Der DBfK ist dabei eine wichtige Stimme. Ich wünsche mir, dass wir als Berufsverband weiterhin fachlich fundiert, unabhängig und konstruktiv auftreten – mit klaren Positionen und dem Mut, auch unbequeme Themen anzusprechen.
Was wünschen Sie sich für den DBfK Südost?
Karina Luginger: Ich wünsche mir, dass wir weiter wachsen – nicht nur bei den Mitgliederzahlen, sondern vor allem als starke Gemeinschaft.
Je mehr Pflegefachpersonen sich engagieren, desto stärker wird unsere Stimme. Berufspolitik lebt davon, dass viele Menschen ihre Erfahrungen, Ideen und Perspektiven einbringen. Deshalb möchte ich den Austausch mit unseren Mitgliedern weiter intensivieren und den Verband noch sichtbarer machen.
Mein Ziel ist, dass jede Pflegefachperson weiß: Der DBfK ist ihre berufliche Heimat und ein verlässlicher Partner – unabhängig davon, in welchem Bereich der Pflege sie tätig ist.
Neben Ihrem Beruf engagieren Sie sich in zahlreichen Ehrenämtern. Wie schaffen Sie den Ausgleich?
Karina Luginger: Meine Familie ist mein größter Rückhalt. Mit drei Kindern unter acht Jahren ist bei uns immer etwas los! Außerdem besuchen uns die drei „großen“ Kinder meines Lebensgefährten auch, wenn es ihre Zeit zulässt – die Älteste ist selbst gerade frisch gebackene Pflegefachfrau. Langweilig wird es also bei sechs Kindern und unseren Ehrenämtern nie. Mein Lebensgefährte ist Diplom-Betriebswirt und hat als Geschäftsführer im Sozial- und Gesundheitswesen gearbeitet. Er kennt deshalb die Herausforderungen der Pflege aus eigener Erfahrung. Dass er mein ehrenamtliches Engagement so unterstützt und mich auch oft zu Veranstaltungen begleitet, bedeutet mir sehr viel.
Wenn ich Zeit finde, verbringe ich sie am liebsten mit meiner Familie oder draußen in unserem Garten. Dort kann ich wunderbar abschalten und neue Energie tanken. Außerdem lese ich sehr gerne, höre Hörbücher oder genieße einfach die Momente, in denen das Leben einmal etwas ruhiger ist.
Zum Abschluss: Was möchten Sie den Mitgliedern des DBfK Südost mit auf den Weg geben?
Karina Luginger: Zunächst möchte ich mich herzlich für das Vertrauen bedanken. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Zeit und auf viele persönliche Begegnungen.
Vor allem möchte ich unsere Mitglieder ermutigen, sich einzubringen. Der DBfK lebt von den Menschen, die ihn mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrem Engagement gestalten. Gemeinsam können wir viel bewegen – für unseren Berufsstand, für unsere Patientinnen und Patienten und für die Zukunft der professionellen Pflege.
Ich denke, wir haben gerade eine große Chance: Die Pflege entwickelt sich fachlich rasant weiter und wird für die Gesundheitsversorgung der Zukunft immer wichtiger. Diese Entwicklung sollten wir selbstbewusst mitgestalten. Dafür möchte ich mich gemeinsam mit unserem Vorstand und unseren Mitgliedern einsetzen.