Ende Juni wurde Deutschland von der ersten Hitzewelle des Jahres erfasst. Rekordtemperaturen von bis zu 41,7 Grad brachten das Gesundheitswesen teilweise an seine Grenzen. Für den Zeitraum bis zur Kalenderwoche 26 geht das Robert Koch-Institut von rund 5.100 hitzebedingten Sterbefällen aus. Diese Entwicklungen machen deutlich: Hitze ist längst nicht mehr nur ein Wetterphänomen, sondern eine ernstzunehmende Gesundheitskrise.
Mit dieser Hitzewelle wurde zu Recht erneut der Ruf nach wirksamen Maßnahmen zum Hitzeschutz – insbesondere nach Klimaanlagen und anderen technischen Lösungen – lauter. Gerade dort, wo vulnerable Personengruppen leben, sich aufhalten und versorgt werden, sind effektive Schutzmaßnahmen unverzichtbar. Denn Hitze trifft vor allem diejenigen am stärksten, die ohnehin bereits gesundheitlich oder sozial belastet sind: ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Erkrankte, Menschen mit Behinderungen oder sozial benachteiligte Personen. Insgesamt sind wir bis heute auf solche Szenarien nicht ausreichend vorbereitet. Politisch geschieht weiterhin zu wenig, obwohl die gesundheitlichen Folgen gravierend sind. Man muss sich die Frage stellen, wie die gesellschaftliche und politische Reaktion ausfallen würde, wenn eine andere Katastrophe innerhalb weniger Wochen eine vergleichbar hohe Zahl an Todesopfern gefordert hätte.
Neben der Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Versorgung während extremer Hitzeperioden muss jedoch auch der Schutz der Beschäftigten im Gesundheitswesen stärker in den Fokus rücken. Dieses Spannungsfeld wird uns angesichts des fortschreitenden Klimawandels künftig immer häufiger begleiten. Arbeitsbedingungen in Räumlichkeiten mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad stellen eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. Nach der ASR A3.5 müssen Arbeitgebende bei Raumtemperaturen von mehr als 30 Grad wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Belastung der Beschäftigten zu reduzieren. Professionell Pflegende, Ärzt:innen und andere Mitarbeitende arbeiten häufig unter extremen Bedingungen und sind selbst einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Hier müssen Arbeitgeber:innen Verantwortung übernehmen und Arbeitnehmer:innen müssen notwendige Maßnahmen konsequent einfordern.
Um zukünftigen Hitzewellen besser begegnen zu können, braucht es sowohl technische und bauliche Veränderungen als auch organisatorische Anpassungen. Dazu gehören die Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen mit effektiven Kühlsystemen, die flächendeckende Schulung von Fachpersonal die Versorgung an Hitze anzupassen, die Entwicklung und konsequente Umsetzung von Hitzeschutzplänen sowie eine deutlich bessere Vorbereitung des Gesundheitssystems auf klimabedingte Krisen. Klar ist: Ein Gesundheitssystem, das bereits heute vielerorts an seiner Belastungsgrenze arbeitet, benötigt zusätzliche Ressourcen und verbindliche Strukturen, um auf wiederkehrende Extremereignisse dieser Art vorbereitet zu sein. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft lernen, in Hitzeperioden stärker aufeinander zu achten und besonders gefährdete Menschen aktiv zu unterstützen. Denn Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Hitze muss endlich als die Gefahr wahrgenommen werden, die sie ist – als eine wiederkehrende Gesundheitskrise, die uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen wird. Der wirksamste Hitzeschutz bleibt dabei der Klimaschutz. Denn nur wenn es gelingt, die Ursachen der Klimakrise wirksam zu bekämpfen, können wir die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze langfristig begrenzen.
Hier einige Handlungsempfehlungen und Informationsmaterialien:
Einsatz von Hitzeschutzplänen in Pflegeeinrichtungen und -diensten
Schnelle Maßnahmen zum betrieblichen Hitzeschutz:
Bei Fragen zu den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Klimaanpassung ist unsere Referentin Sarah Fliesgen (fliesgen@dbfk.de) erreichbar.
(Quelle: Robert Koch Institut (09.07.2026): Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität. https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html?nn=16776990)