DBfK aktuell - November 2026

Pflegestandards als Schlüssel für resiliente Gesundheitssysteme

ICN-Päsident Dr. José Luis Cobos Serrano während der Session „Nurses United in a Changing World“. (Foto: World Health Summit / Steffen Kugler)
ICN-Päsident Dr. José Luis Cobos Serrano während der Session „Nurses United in a Changing World“. (Foto: World Health Summit / Steffen Kugler)

Gute Arbeitsbedingungen und anerkannte erweiterte Pflegekompetenzen gehören für eine resiliente und zukunftsfeste Gesundheitsversorgung zusammen. Auf dem World Health Summit in Berlin hat sich gezeigt, dass die professionelle Pflege ihre Expertise stärker in die Gestaltung zukunftsfähiger Gesundheitssysteme einbringen muss.

Vom 11. bis 13. Oktober 2026 beriet die internationale Gesundheitsgemeinschaft beim World Health Summit (WHS) unter dem Leitmotiv „From Crisis to Resilience: Innovating for Health“, wie Gesundheitssysteme krisenfester werden können. Für unsere Berufsgruppe besonders interessant und relevant: In der Session „Nurses United in a Changing World“ diskutierten – unter der Moderation von Prof. Dr. Johan van Eldere (Generalsekretär der European University Hospital Alliance) – Carla Eysel (Vorstand für Personal und Pflege, Charité), Prof. Dr. Janet Wong (School of Nursing & Health Sciences, Hong Kong Metropolitan University), Heike Hoffer (Leiterin des Referats Fachkräftesicherung, BMG), Margrieta Langins (Policy Advisor, WHO Europe) und Dr. José Luis Cobos Serrano (Präsident des International Council of Nurses ICN), wie gemeinsame Kernkompetenzen, professionelle Standards und erweiterte Pflegerollen die Resilienz in der Versorgung stärken können.

Weltweit setzen Fachkräftemangel, steigende Versorgungsbedarfe, Klimawandel und weitere Krisen Gesundheitssysteme unter Druck. Im Panel wurde deutlich, dass mehr Personal allein nicht ausreicht. Entscheidend ist es vielmehr, vorhandene Kompetenzen besser zu nutzen und Pflegefachpersonen in ihrer professionellen Verantwortung zu stärken. Als Schlüssel dafür wurden neben kontinuierlichen Fort- und Weiterbildungen, verbindlichen Kompetenzprofilen, evidenzbasierter Praxis sowie Arbeitsbedingungen, die ethisch vertretbares Pflegehandeln ermöglichen, auch fest verankerte Standards genannt, zu denen im Fall von Deutschland auch der europäische Austausch beitragen könne.

Dabei betonte der ICN-Präsident, dass international verankerte Mindeststandards dazu beitragen können, das Potenzial professionell Pflegender zu entfalten, statt es zu begrenzen. Zugleich hob er hervor, wie wichtig Anerkennung und Investitionen für die Profession sind. Dabei sei die Kraft des Pflegeberufs Leben, zu retten und zu verändern, klar. Aber Kraft werde ohne Anerkennung und ohne Investitionen unsichtbar.

Als DBfK übersetzen wir diese Botschaft in Aufgaben für unsere berufspolitische Arbeit in Deutschland: Für die strukturelle Verankerung von Pflegekompetenz setzen wir uns für klare Kompetenzprofile, erweiterte Verantwortungsbereiche und die Weiterentwicklung von Advanced Practice Nursing (APN) und Community Health Nursing (CHN) ein. Wir sehen aber auch, dass Standards, die zwar zu Versorgungsqualität, professioneller Autonomie und beruflicher Entwicklung beitragen können, die Arbeitsbedingungen und das Wohlbefinden von Pflegenden berücksichtigen müssen. Letztendlich geht es darum, professionelle Standards aus der Expertise unserer Mitglieder, aus der professionellen Pflege selbst heraus, weiterzuentwickeln. Damit kann – gerade angesichts neuer, planetarer Herausforderungen für Gesundheit und Gesundheitsversorgung – die Pflege ihrem Selbstverständnis nachkommen und so ihren einzigartigen Beitrag für ein resilientes Gesundheitssystem leisten: Krankheit lindern, Krankheit verhindern, Gesundheit fördern und Selbstständigkeit erhalten.


Die Sessions des World Health Summit können online abgerufen werden

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