„Pflege braucht Kompetenz – und den Mut, Verantwortung zu übernehmen“

17.09.2026

„Pflege braucht Kompetenz – und den Mut, Verantwortung zu übernehmen“
„Pflege braucht Kompetenz – und den Mut, Verantwortung zu übernehmen“

Bericht vom Pflegesymposium Greifswald mit Gesundheits-Staatssekretärin Sylvia Grimm (Zitat), Sandra Postel und Kathrin Herold (Foto) sowie vielen weiteren Gästen.

Schon vor der Keynote von Sandra Postel wurde es politisch beim Pflegesymposium Greifswald am 16. September. Die Präsidentin der Landespflegekammer Nordrhein-Westfalen war auf Einladung des DBfK Nordost gekommen und sprach bei der Eröffnung über berufsständische Selbstverwaltung. Gleich eingangs hatten Wissenschaftsvorstand Karl-Hans Endlich und Pflegevorständin Jana Luntz auf die Internationalität von Wissenschaft und die besondere Verantwortung der Pflegeprofession hingewiesen, passend zum diesjährigen Titel des Symposiums "Kompetenz trifft Haltung". Auch berufspolitisch fielen früh klare Worte: "Wer pflegt, muss auch mitentscheiden können. Genau dahin muss sich die Pflegeprofession weiterentwickeln“, so Gesundheits-Staatssekretärin Sylvia Grimm.

Damit war der Boden bereitet für das, was Postel in ihrer Keynote mit Fakten untermauerte: dass die Pflege spätestens seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2002 als Gesundheitsfachberuf anerkannt ist, aber bis heute keine einheitliche Berufs- und Weiterbildungsordnung hat, geschweige denn eine verbindliche Registrierung. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Landesregierung in MV diesen Impuls aufgreift, um dem Pflegenotstand konstruktiv zu begegnen. Die Verstetigung des bislang ESF-finanzierten Bachelorstudiengangs und die Einführung eines neuen Masterstudiengangs an der Universität Greifswald sind wichtige Etappenziele bei der Professionalisierung, ersetzen aber keine Gesamtstruktur der Pflegebildung.

Über ihr Engagement bei der Initiative "Pflege gegen Rechts" sprach Postel anschließend im Programm für die Junge Pflege mit Kathrin Herold, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Mecklenburg-Vorpommern, moderiert von  DBfK Nordost-Geschäftsführerin Heike Prestin (Foto oben). Postel ermutigte die Zuhörenden, Alltagsrassismus direkt im Alltag zu begegnen. Überhaupt werde allzu oft noch versucht, die Pflege ans Bett zu schicken wie früher die Frau in die Küche.

Herold empfahl, für Menschenwürde, Respekt und Toleranz einzutreten, um positiv zu bleiben, sich die eigenen Kräfte einzuteilen und Verbündete zu suchen: "Bildet Banden!" Dabei sei aber auch Selbstreflexion wichtig, betonte sie mit Verweis auf die wenig diverse Zusammensetzung des aktuellen Podiums. In der engagierten Diskussion mit dem Publikum ging es anschließend um die Erfahrungen der Zuhörenden, Meinungsfreiheit und deren Grenzen bzw. die Frage, wer letztere eigentlich setzt.

Nach der Mittagspause rückten neue Rollen, Kompetenzen und Perspektiven für den Beruf in den Fokus. Zu Gast waren Dilek Erusta (Community Health Nurse am GeKo Berlin), Simone Nuss (freiberufliche Pflegeberaterin in Stralsund) und Johannes Wünscher (Clinical Nurse Specialist am DHZC Berlin und Vorsitzender DBfK Nordost). Die drei sehr individuellen Lebensläufe machten deutlich, wie vielfältig Karrieren in der Pflege verlaufen, manchmal geplant und manchmal unverhofft. Zwar brauche es eine Kultur der Anerkennung und Förderung durch Führungskräfte, aber eben auch: individuellen und kollektiven Mut zur Verantwortung.

Josephine Postzich und Barbara Kedzia aus der AG Junge Pflege im DBfK Nordost beim Pflegesymposium Greifswald 2026.
Josephine Postzich und Barbara Kedzia aus der AG Junge Pflege im DBfK Nordost beim Pflegesymposium Greifswald 2026.

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