09.07.2026
Wie kann Primärversorgung künftig früher, koordinierter und näher am Alltag der Menschen ansetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der internationalen Fachtagung „Community Health Nursing: Primärversorgung stärken – Impulse für ein modernes Gesundheitssystem“, die die Agnes-Karll-Gesellschaft im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gemeinsam mit dem Bosch Health Campus am 7. Juli 2026 in Berlin veranstaltete.
Expert:innen aus Deutschland, Australien, Großbritannien, Estland und Spanien zeigten, wie Community Health Nursing in anderen Gesundheitssystemen verankert ist und welche Impulse sich daraus für Deutschland ableiten lassen. Im Mittelpunkt standen neue Rollen in der Primärversorgung, bessere Koordination zwischen Gesundheitsberufen und kommunalen Angeboten sowie die Frage, wie Versorgung stärker an der Lebenssitutation der Menschen ausgerichtet werden kann.
„Community Health Nursing ist ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Denn die Frage, wie Primärversorgung gestaltet wird ist, ist auch eine Frage, wie wir in Zukunft möglichst lange gesund leben, begleitet und wie, aber auch wo wir versorgt werden wollen“, betonte DBfK-Präsidentin Vera Lux.
Den fachlichen Rahmen setzte Prof. Dr. Katharina Janus mit ihrer Keynote zu internationalen Herausforderungen in der Primärversorgung: „Der Kerngedanke der Primärversorgung geht weit über die Funktion einer „Eingangstür“ oder eines „Gatekeepers“ hinaus. Sie umfasst die Koordination und Vernetzung der beteiligten Akteur:innen ebenso wie die kontinuierliche Begleitung der weiteren Versorgung“, machte sie deutlich
In der Diskussion zum Transfer nach Deutschland wurde deutlich, dass Community Health Nursing nicht dauerhaft in Modellprojekten verbleiben darf. Mit dem für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigten Referentenentwurf für ein Pflege- und Gesundheitsexperten-Einführungsgesetz bietet sich die Chance, Community Health Nursing als Ausprägung des Advanced Practice Nursing (APN) mit einem klaren Kompetenzprofil und verbindlichen Rahmenbedingungen gesetzlich zu verankern.
Dr. Katja Vonhoff, Bosch Health Campus, betonte noch einen weiteren Aspekt: „Eine zentrale Erkenntnis ausallen internationalen Präsentationen ist, dass die Pflege wirklich gute Beziehungen zur Ärzteschaft aufbauen sollte. Kommunikation ist dabei ein ganz zentraler Schlüssel. Wir müssen klar sagen: Es geht darum, die Menschen besser zu versorgen, dafür gibt es unterschiedliche Rollen und wir sollten die Pflege und andere Gesundheitsprofessionen als wichtige Partner in der interprofessionellen Zusammenarbeit betrachten.“
Community Health Nursing ist ein pflegerisches Handlungsfeld in der wohnortnahen Primärversorgung und öffentlichen Gesundheitssorge. Zentrale Elemente sind Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Krankheitsmanagement. Community Health Nurses verbinden pflegerische Expertise mit Beratung, Koordination, Public Health und Vernetzung im Sozialraum. Sie sind kein Ersatz für Hausärzt:innen, sondern stärken multiprofessionelle Primärversorgung dort, wo medizinische, pflegerische und soziale Unterstützungsbedarfe zusammenkommen.
„Community Health Nursing löst die Strukturprobleme der Primärversorgung nicht allein. Es adressiert aber eine zentrale Lücke: die Verbindung von medizinischer Behandlung, Pflege, Prävention, Gesundheitsförderung und sozialräumlicher Unterstützung“, so das Fazit von Vera Lux.
Die Fachtagung ist Teil des Projekts „Community Health Nurse – Gesundheitsversorgung sichern und weiterentwickeln (CHN Phase IV) – internationale Fachtagung“. Seit 2017 setzt sich die Agnes-Karll-Gesellschaft im DBfK mit Unterstützung der Bosch Health Campus GmbH für die Etablierung von Community Health Nurses in Deutschland ein.
Fotocredit: DBfK