„Es ist ein Affront gegen den gesamten Berufsstand!“

Beruflich Pflegende protestieren in Kiel gegen das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)

24.09.2026

Es geht um Tariflöhne, drohenden Personalabbau und die Zukunft der häuslichen Pflege: Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz will die Bundesregierung auf Kosten der beruflich Pflegenden und der pflegerischen Versorgung sparen. Dagegen protestierten am Donnerstag mehrere hundert Pflegende aus Schleswig-Holstein in Kiel. „Eine Pflegereform muss zum Ziel haben, die Versorgung zu stärken. An den personellen Grundlagen zu sparen, bewirkt das genaue Gegenteil“, so Patricia Drube, Referentin für Langzeitpflege und Unternehmer:innen im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest. Der Verband unterstützte die Protestaktion als Kooperationspartner und brachte konstruktive Änderungsvorschläge ein.

Protestaktion in Kiel
Protestaktion in Kiel

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass Regelungen für eine tariforientierte Bezahlung in der Pflege ausgesetzt werden sollen. „Jahrelang wurde uns erklärt, wir bräuchten bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung, um Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen und zu halten. Die Tariftreue war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wer diese Regelungen nun aussetzt, stellt die Wertschätzung für die professionelle Pflege infrage“, so Drube bei einer Kundgebung im Rahmen des Protests. „Das ist nicht nur ein falsches Signal. Es ist ein Affront gegen den gesamten Berufsstand!“ Immerhin: Die sozialpolitische Sprecherin und Landtagsabgeordnete Birte Pauls (SPD) stellte sich den Protestierenden und machte klar, dass die Rückabwicklung der Tarifpflicht mit den Sozialdemokrat:innen nicht zu machen sei.

Drube machte jedoch deutlich, dass es neben der Bezahlung auch ganz konkret darum geht, wie viele Pflegefachpersonen künftig für die Versorgung zur Verfügung stehen: „Das PNOG verändert die Kriterien für die Einstufung in Pflegegrade. Das klingt zunächst technisch, kann jedoch zur Folge haben, dass künftig weniger Pflegepersonal finanziert wird, obwohl der tatsächliche Pflegebedarf unverändert bleibt.“

Nachbesserungsbedarf sieht der DBfK Nordwest auch bei den Regelungen zur häuslichen Pflege: Pflegebegleitung und Beratung müssen fachlich fundiert und verlässlich organisiert sein. Zugleich müssen pflegende An- und Zugehörige weiterhin auf niedrigschwellige Entlastungsangebote zurückgreifen können. „Gerade in der häuslichen Pflege brauchen Menschen Unterstützung, die verlässlich erreichbar ist und sich am tatsächlichen Bedarf orientiert. Neue Hürden helfenniemandem“, so Drube.

Einen Beitrag zur Versorgung könnten zwar die im PNOG vorgesehenen neuen Versorgungsangebote wie ambulante Notdienste und Akut-Kurzzeitpflege leisten. Die Voraussetzungen dafür seien allerdings eine realistische Finanzierung und ausreichend qualifiziertes Personal. Der DBfK fordert deshalb, den Gesetzentwurf an entscheidenden Stellen grundlegend nachzubessern. Die wichtigsten Änderungsbedarfe hat der Verband in einem Kurzpapier zusammengefasst und im Rahmen des Protests an den Sozialausschuss im Landtag Schleswig-Holstein übergeben.

Damit die Forderungen der Pflegenden auch über den heutigen Protest in Kiel hinaus in die politische Debatte einwirken, hat der DBfK Pflegefachpersonen dazu aufgerufen, die Folgen der Gesetzespläne für die Arbeitspraxis in Botschaften an den Verband sichtbar zu machen. Die Rückmeldungen bringt der DBfK in politische Gespräche ein. Mehr dazu auf der Aktionswebseite: www.dbfk.de/keinsparschwein.

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